Eine sehr spannende und häufig diskutierte Frage! Die Antwort darauf, wie viel Hubraum man zum Motorradfahren braucht, ist hochgradig subjektiv und hängt vollständig von den individuellen Zielen, der Erfahrung und dem beabsichtigten Einsatzgebiet des Motorrads ab.
Es gibt keine Mindestanforderung; der „richtige“ Hubraum ist der, der zum Fahrer passt.




Wie viel Hubraum braucht man zum Motorradfahren?
Der Hubraum (Kubikzentimeter, ccm) ist ein Maß für die Leistung und das Drehmoment eines Motors. Er beeinflusst maßgeblich das Fahrgefühl, das Gewicht und die Eignung für verschiedene Terrains.
I. Der Einstieg (unter 500 ccm)
Diese Klasse wird oft unterschätzt, bietet aber ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und maximale Agilität.
| Hubraum | Merkmale | Ideal für… |
| 125 ccm | Sehr leicht, geringer Verbrauch, wartungsarm. Oft ideal für Einsteiger (A1-Führerschein). | Stadtverkehr, Pendeln, erste Fahrpraxis, entspannte Landstraßen. |
| 250–400 ccm | Leichter als große Maschinen, sehr agil und fehlerverzeihend. Genug Leistung für die Landstraße und mittlere Geschwindigkeiten. | Fahranfänger (A2), Stadt- und Landstraßen, kleineres Budget. |
| 500 ccm | Der Sweet Spot für viele A2-Fahrer. Bietet schon ausreichend Drehmoment, um im Verkehr souverän mitzuschwimmen. | Tagestouren, sportliches Fahren auf kurvigen Landstraßen, Pendeln. |
Fazit: Man braucht nur diesen Hubraum, wenn das Ziel maximale Agilität und einfaches Handling ist.
II. Der Allrounder (600–900 ccm)
Dies ist die beliebteste und vielseitigste Klasse. Die Motoren bieten eine hervorragende Balance aus Leistung, Gewicht und Komfort.
| Hubraum | Merkmale | Ideal für… |
| 600–700 ccm | Gutmütig, aber mit spürbarer Leistungsreserve. Hervorragend geeignet für lange Touren und den täglichen Einsatz. Oft leichter und handlicher als 1000er-Maschinen. | Allround-Fahrer, größere Touren, sportliche Fahrten, Alltag. |
| 800–900 ccm | Sehr ausgewogen, bietet genug Drehmoment für entspanntes Fahren im mittleren Drehzahlbereich und Souveränität auf der Autobahn. | Ambitionierte Tourenfahrer, Alltagsfahrer, die Leistung nicht missen wollen. |
Fazit: Man braucht diesen Hubraum, wenn man eine Vielseitigkeit sucht – genug Power für die Autobahn, aber noch handlich genug für enge Kurven.
III. Die Power-Klasse (über 1000 ccm)
Hier geht es um Komfort auf langen Strecken, rohe Leistung und viel Drehmoment.
| Hubraum | Merkmale | Ideal für… |
| 1000–1200 ccm | Der Standard für Sporttourer, große Adventure-Bikes und viele Big-Naked-Bikes. Hohe Endgeschwindigkeit, massives Drehmoment. | Langstreckentouren (mit Sozius und Gepäck), Alpenpässe, sportliches Fahren auf der Rennstrecke (Supersportler). |
| 1300 ccm und mehr | Power-Cruiser, Luxus-Tourer (z. B. Harley-Davidson, Gold Wing, Triumph). Dominantes Drehmoment aus dem Stand. Oft sehr schwer und groß. | Entspanntes Cruisen, Langstrecken-Autobahnfahrten, maximale Zuladung. |
Fazit: Man braucht diesen Hubraum, wenn Leistung, maximaler Komfort bei hohem Tempo oder sattes Drehmoment die oberste Priorität haben.
Schlussfolgerung: Der „richtige“ Hubraum
Der Hubraum wird oft mit der Erfahrung des Fahrers in Verbindung gebracht, was jedoch nicht immer zutrifft. Entscheidend ist:
- Einsatzzweck: Wer nur pendelt, braucht keine 1200 ccm. Wer regelmäßig mit viel Gepäck über die Alpen fährt, braucht mehr Drehmoment als ein 500er-Motorrad bietet.
- Gewicht und Handling: Ein kleinerer Hubraum bedeutet meist ein leichteres Motorrad. Ein leichtes Bike macht Anfängern das Leben leichter und erfahrenen Fahrern auf kurvigen Strecken mehr Spaß.
- Führerschein: Die Führerscheinklasse (A1, A2, A) setzt die erste, unumgängliche Grenze.
Die goldene Regel: Die Anzahl der Kubikzentimeter ist weniger wichtig als das Gefühl für das Motorrad. Man sollte immer eine Maschine wählen, die man kontrollieren kann und die einem Freude bereitet – egal ob es 300 oder 1800 ccm sind.
Welchen Hubraum bevorzugst du persönlich für deine Touren?
© by Rudi Geiss

