Der Reihenzweizylinder (auch Parallel-Twin genannt) galt lange Zeit als das Triebwerk der Vernunft – kompakt, effizient und ideal für die Mittelklasse. Während für extreme Hubräume meist V2-Konzepte genutzt wurden, haben einige Hersteller die physikalischen Grenzen des Reihen-Twins ausgelotet und beeindruckende Kraftpakete geschaffen.
Die Spitzenreiter nach Hubraum
1. Triumph Thunderbird Storm / Commander / LT (1700 ccm)
Den absoluten Rekord für den größten jemals in Serie gebauten Reihenzweizylinder hält die britische Marke Triumph.

„1.700 ccm pure Kraft: Das größte Herz, das je in Reihe schlug.“
- Der Motor: Ursprünglich mit 1600 ccm eingeführt, wurde das Triebwerk für die „Storm“-Modelle auf exakt 1.699 ccm aufgebohrt.
- Charakter: Dieser Motor ist ein Drehmoment-Monster. Mit bis zu 156 Nm, die bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen anliegen, bietet er eine souveräne Kraftentfaltung.
- Technik: Um die enormen Massen der riesigen Kolben zu bändigen, kommen zwei Ausgleichswellen zum Einsatz. Ein Hubzapfenversatz von 270 Grad sorgt zudem für einen charakterstarken Klang, der an einen V2 erinnert.
2. Triumph Thunderbird (1600 ccm)

Das Basismodell der Thunderbird-Reihe markierte 2009 die Rückkehr des „Big-Bore“-Parallel-Twins. Mit 1.597 ccm war dieser Motor ein technisches Statement, das bewies, dass ein Reihenmotor im Cruiser-Segment sowohl optisch als auch leistungstechnisch eine echte Alternative zu den großen V-Motoren darstellt.
3. Yamaha XT1200Z Super Ténéré (1200 ccm)

Im Segment der großen Reiseenduros setzte Yamaha Maßstäbe.
- Hubraum: 1.199 ccm.
- Besonderheit: Yamaha übertrug ihr „Crossplane“-Konzept auf den Twin. Durch den 270-Grad-Zündabstand werden die Vibrationen minimiert und die Traktion am Hinterrad verbessert, was besonders im Offroad-Einsatz von Vorteil ist.
4. Honda CRF1100L Africa Twin (1100 ccm)

Honda zeigt mit seinem aktuellen 1100er Triebwerk, wie modern ein großer Reihen-Twin heute sein kann.
- Hubraum: 1.084 ccm.
- Einsatz: Dieser Motor ist so vielseitig, dass Honda ihn nicht nur in der Enduro, sondern auch im Tourer (NT1100) und im Cruiser (Rebel 1100) einsetzt. Er gilt als Referenz für Kompaktheit und Zuverlässigkeit in dieser Hubraumklasse.
Die physikalischen Herausforderungen bei großen Hubräumen
Warum sind Reihenzweizylinder mit mehr als 1,7 Litern Hubraum so selten? Die Konstrukteure stoßen hier auf drei wesentliche Probleme:
- Massenausgleich: Zwei riesige Kolben, die sich parallel auf und ab bewegen, erzeugen enorme Vibrationen (Massenkräfte zweiter Ordnung). Je größer der Hubraum, desto schwerer müssen die Ausgleichswellen sein, was das Motorgewicht in die Höhe treibt.
- Baubreite: Um viel Hubraum zu erzielen, müssen die Zylinderbohrungen groß sein. Das macht den Motor sehr breit, was wiederum die Schräglagenfreiheit des Motorrads einschränkt.
- Wärmemanagement: Im Gegensatz zum V-Motor liegen die Zylinder beim Reihenmotor direkt nebeneinander. Das erschwert die gleichmäßige Kühlung, besonders bei luftgekühlten Konzepten, weshalb moderne Big-Twins fast ausschließlich wassergekühlt sind.
Fazit
Während der V2-Motor oft als das Symbol für „Big Displacement“ gilt, zeigt die Geschichte der Triumph Thunderbird und der modernen Adventure-Bikes, dass der Reihenzweizylinder eine technisch hochinteressante und extrem druckvolle Alternative ist. Mit knapp 1,7 Litern Hubraum markiert die Triumph derzeit das technisch Machbare in der Serienproduktion.
© by Rudi Geiss

