Über 13 Jahre lang war die Suzuki Intruder meine treue Begleiterin auf der Straße, eine Maschine die stolze 33 Jahre auf dem Buckel hatte. Seit Juni 2025 sitze ich nun im Sattel meiner Triumph Thunderbird, die mit ihren 11 Jahren einer ganz anderen Generation entstammt. Zwischen diesen beiden Bikes liegen nicht nur zwei Jahrzehnte, sondern ganze Welten an Technik und Fahrverhalten. Dennoch – oder gerade deshalb – erlaube ich mir heute den direkten Vergleich: Wie schlägt sich der kultige Klassiker gegen die modernere Ingenieurskunst?
Ein faszinierender Vergleich, da er zwei Chopper bzw. Cruiser gegenüberstellt, die zwar beide Ikonen des Gebrauchtmarkts sind, aber aus komplett unterschiedlichen Epochen und Design-Philosophien stammen.
Die klassische japanische Ära (VS 1400 Intruder) gegen die moderne, britische Neuinterpretation des Cruisers (Thunderbird 1600).
Hier ist der ausführliche Vergleich zwischen der Suzuki VS 1400 Intruder und der Triumph Thunderbird 1600:
| Merkmal | Suzuki VS 1400 Intruder | Triumph Thunderbird 1600 |
| Bauzeit | 1987 – 2003 (Deutschland) | 2009 – ca. 2016 |
| Motor-Konzept | V-Twin (45°), luft-/ölgekühlt | Parallel-Twin (270° Hubzapfenversatz), flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 1.360 ccm | 1.597 ccm |
| Leistung (ca.) | 61–67 PS (je nach Baujahr) | 85 PS / 63 kW |
| Drehmoment (ca.) | 105–113 Nm bei 2.600–2.800 U/min | 146 Nm bei 2.750 U/min |
| Kühlung | Luft-/Ölkühlung (SACS) | Flüssigkeitskühlung |
| Gemischaufbereitung | Vergaser | Elektronische Einspritzung (EFI) |
| Endantrieb | Kardanwelle (wartungsarm) | Zahnriemen (sehr wartungsarm) |
| Trockengewicht | ca. 260 kg | ca. 340 kg |
| Tankinhalt | Extrem klein: 13 Liter | Sehr groß: 22 Liter |
| Besonderheit | Hydrostößel (kein Ventile einstellen nötig) | Weltgrößter Parallel-Twin im Serienbau |
I. 🛠️ Technik und Motor-Charakter
Suzuki VS 1400 Intruder

VS1400

Intruder
Die Intruder 1400 ist ein echtes Urgestein des japanischen Chopper-Booms der späten 80er.
- Motor: Ihr V-Twin (oft 45° oder 55°) ist eine Ikone. Er ist bekannt für seine extreme Robustheit und den sehr geringen Wartungsaufwand dank der Hydrostößel (es entfällt das lästige Ventile einstellen).
- Kühlung: Die Kombination aus Luft- und Ölkühlung (SACS) ist zeittypisch, aber bei Überhitzung (Stadtverkehr, Stau) anfällig.
- Fahrgefühl: Sie bietet einen klassischen, relativ rauen und direkten V-Twin-Charakter. Das Drehmoment kommt früh, aber der Motor ist im Vergleich zur Thunderbird weniger kraftvoll.
Triumph Thunderbird 1600


Thunderbird 1600 ABS
Die Thunderbird war Triumphs entschlossener Versuch, in den modernen Cruiser-Markt einzusteigen und Harley-Davidson direkt anzugreifen.
- Motor: Der Parallel-Twin ist weltweit einzigartig in dieser Hubraumklasse und liefert durch den 270°-Hubzapfenversatz den V-Twin-Sound und -Vibe.
- Leistung/Drehmoment: Sie ist die deutlich stärkere Maschine. Mit 146 Nm Drehmoment schiebt sie massiver an als die VS 1400.
- Fahrgefühl: Dank Flüssigkeitskühlung und Einspritzung läuft der Motor kultivierter, vibrationsärmer und ist leistungsstärker. Der Riemenantrieb sorgt für geschmeidige Kraftübertragung ohne das „Kardan-Klonk“ der Intruder.
II. 🛣️ Fahrwerk und Handling
Suzuki VS 1400 Intruder
- Handling: Die VS 1400 ist bekannt für ihr kippeliges Kurvenverhalten bei niedrigen Geschwindigkeiten, was auf die sehr flache Gabel (hoher Nachlauf) zurückzuführen ist. Sie fühlt sich eher ungelenk an („fährt sich wie ein Bus“, ist meine Meinung).
- Bremsen: Die Bremsleistung (Einzelscheiben vorne und hinten) wird häufig als mäßiges Minus in Testberichten genannt. Sie erfordert beherzten Krafteinsatz.
- Komfort: Niedrige Sitzhöhe (ca. 740 mm) ist gut, aber die Federung (insbesondere hinten) ist oft bockhart und die Schräglagenfreiheit ist gering.
Triumph Thunderbird 1600
- Handling: Trotz des hohen Gewichts (ca. 48 kg schwerer als die Intruder) überrascht mich die Thunderbird mit einem sehr stabilen und neutralen Fahrwerk. Sie ist für mich die deutlich agilere und besser zu handhabende Maschine.
- Bremsen: Sie verfügt über eine Doppelscheibenbremse vorn und eine Einzelscheibenbremse hinten, oft mit ABS wie bei meiner Maschine. Das ist ein massives Sicherheitsplus gegenüber der VS 1400.
- Komfort: Die Sitzposition ist bequem, und der Fahrkomfort ist dank modernerer Fahrwerkskomponenten deutlich besser.
III. 💸 Gebrauchtmarkt, Zubehör und Fazit
| Kriterium | Suzuki VS 1400 Intruder | Triumph Thunderbird 1600 |
| Gebrauchtpreise | Niedrig (oft 3.500 € – 6.500 €) | Mittel bis hoch (oft 6.000 € – 10.000 €+) |
| Zubehör (Aftermarket) | Riesig. Nahezu jeder Umbau ist möglich, sehr große Fan- und Custom-Szene. | Groß, aber spezialisierter (Triumph-eigenes Zubehör, spezialisierte US-Firmen). |
| Wartung | Einfache Technik, viele DIY-Möglichkeiten. | Moderne Technik (Einspritzung), erfordert teilweise Triumph-spezifische Diagnostik. |
Fazit: Welcher Klassiker passt?
Die Wahl hängt von der Priorität ab:
- Die VS 1400 Intruder, wenn:
- Sie ein niedriges Budget haben und einen ehrlichen, technisch einfachen V-Twin-Klassiker suchen.
- Sie planen, das Motorrad umfangreich zu customizen und auf die riesige Aftermarket-Szene zurückgreifen wollen.
- Der Motorradbau der späten 80er/90er Jahre Sie mehr anspricht.
- Die Triumph Thunderbird 1600, wenn:
- Sie einen modernen, kraftvollen Cruiser suchen, der über ABS und eine überlegene Fahrleistung verfügt.
- Sie Wert auf höheren Fahrkomfort und eine deutlich bessere Bremsleistung legen.
- Die höheren Anschaffungskosten und das Mehrgewicht für Sie akzeptabel sind.
Beide Motorräder sind Ikonen ihrer Zeit, aber die Thunderbird ist in puncto Fahrwerk, Motorleistung und moderner Sicherheit (ABS) der klare Sieger. Die Intruder punktet durch ihren unschlagbaren Vintage-Charme und die einfache, robuste Technik.
Und für mich war die VS1400 ein unglaublich gutes Motorrad, das ich sehr gerne gefahren bin. Die Thunderbird steht erst seit 6 Monaten in meiner Garage und muss sich stecken damit sie genau so lange wie die Intruder bei mir bleibt.
© by Rudi Geiss

