330 Kilometer Asphalt-Adrenalin: Die Eifel-Runde

Der Start: Raus aus der Seidenstadt
Der Morgen in Krefeld war noch frisch, aber die Maschine lief warm. Visier runter, Erster Gang rein – das Ziel hieß Freiheit. Über die Autobahn ging es zügig Richtung Süden, bis die Silhouette der Eifel am Horizont auftauchte und die Geraden endlich den lang ersehnten Kurven wichen.
Giganten aus Stahl und… Äpfel aus der Hölle?


Das erste Etappenziel war das gigantische Radioteleskop Effelsberg. Ein beeindruckender Anblick, wie diese weiße Schüssel in den Himmel ragt. Doch die wahre Action wartete auf dem Weg Richtung Liers.

In einer besonders engen Kehre am Waldrand stand sie plötzlich da: Eine Gestalt, die aussah, als wäre sie direkt einem verstaubten Märchenbuch der Gebrüder Grimm entsprungen. Eine alte, unfassbar hässliche Hexe mit einer Nase, auf der man hätte parken können. Sie fletschte die drei Zähne, die ihr geblieben waren, zu einem Grinsen und streckte mir einen knallroten, glänzenden Apfel entgegen.

„Probier mal, Schöner… macht dich schnell wie der Wind!“, krächzte sie.
Ich starrte abwechselnd auf den Apfel und auf meine Bremse. Schneewittchen-Vibes pur! Da ich aber keine Lust hatte, die nächsten 100 Jahre in einer Lederkombi im Graben zu pennen, bis mich eine Prinzessin wachküsst, habe ich dankend abgelehnt. „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, dachte ich mir, gab ordentlich Zwischengas und ließ die Hexe in einer Wolke aus Abgasen zurück. Sicher ist sicher!

Die Grüne Hölle ruft
Von Liers aus ging es im Tiefflug weiter zum Parkplatz Brünnchen am Nürburgring. Die Stimmung dort war wie immer elektrisch. Der Geruch von verbranntem Gummi, das Kreischen der Motoren auf der Nordschleife und das Fachsimpeln unter Gleichgesinnten.


Ein kurzer Stopp, um die Reifen abkühlen zu lassen und den Ausblick auf die Rennstrecke zu genießen, bevor der Rückweg anstand.
Der Ausklang: Über die Dörfer zurück
Statt den direkten Weg zu wählen, ging es auf dem Heimweg erst richtig los. Abseits der Bundesstraßen schlängelte sich die Route über kleinste Eifeldörfer, vorbei an Fachwerkhäusern und saftigen Wiesen.
- Kurvenfaktor: 10/10
- Landschaft: Traumhaft (wenn man nicht gerade auf Hexen achtet)
- Gesamtstrecke: Knapp 330 km pures Glück.
Als die Ortsschilder von Krefeld wieder auftauchten, taten die Handgelenke zwar ein bisschen weh, aber das Grinsen unter dem Helm war breiter als der Hinterreifen. Was für ein Tag!
© by Rudi Geiss

