Warum sind wir eigentlich solche „Hater“ geworden? (Oder war das schon immer so?)

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Egal ob auf Facebook, in Foren, in den Kommentaren unter YouTube-Videos oder am Stammtisch: Manchmal habe ich das Gefühl, die Welt ist zu einem einzigen Pulverfass geworden.
Egal welches Thema man anschneidet – es dauert oft nur wenige Minuten, bis die ersten verbalen Keulen herausgeholt werden.
- Fährst du ein E-Auto? Dann bist du für die einen ein „grünverblendeter Traumtänzer“ und für die anderen ein Retter des Planeten.
- Fährst du lieber Verbrenner oder einen dicken Cruiser? Schon bist du der „Ewiggestrige“, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt.
- Isst du Fleisch? Drama. Isst du vegan? Erst recht Drama.
- Wählst du Partei A oder Partei B? Sofort stempelt man dich ab.
Sogar unter uns Bikern geht es manchmal heiß her: Fährst du eine gemütliche Triumph Thunderbird, bist du für manche eine „lahme Ente“. Fährst du eine Superbike-Rennsemmel, bist du automatisch der „Organspender“.
Ich frage mich in letzter Zeit immer öfter: Warum sind wir eigentlich so extrem geworden? Warum können wir andere Meinungen kaum noch ertragen, ohne gleich persönlich oder abwertend zu werden?
1. Eine andere Meinung war mal der Beginn eines Gesprächs – heute ist sie eine Kriegserklärung
Dass Menschen unterschiedliche Ansichten haben, ist so alt wie die Menschheit selbst. Und das ist auch gut so! Diskussionen, verschiedene Perspektiven und das Ringen um gute Argumente bringen uns als Gesellschaft überhaupt erst weiter.
Früher hat man sich nach einer hitzigen Diskussion am Stammtisch oder in der Werkstatt in die Augen geschaut, vielleicht noch ein Kaltgetränk zusammen getrunken und gesagt: „Gut, wir kommen da auf keinen grünen Zweig, aber passt schon. Jeder wie er mag.“
Heute scheint eine andere Meinung für viele eine persönliche Bedrohung zu sein. Wenn jemand etwas anderes fährt, isst oder denkt als ich, fühlt sich der Gegenüber offenbar so angegriffen, als würde man ihm seine eigene Lebensweise absprechen wollen.
2. Der Anonymitäts-Joker und das Internet
War das schon immer so und wir merken es heute nur mehr?
Zu einem gewissen Teil: Ja. Menschen hatten schon immer Vorurteile und Stammtischweisheiten. Aber das Internet – und insbesondere die sozialen Medien – haben dieses Phänomen auf ein völlig neues Level gehoben.
- Kein Blickkontakt: Wenn man jemandem gegenübersteht, greift eine natürliche Hemmschwelle. Man sieht die Mimik des anderen. Tipperst du hingegen hinter der Tastatur auf der Couch, fehlt jedes Mitgefühl.
- Aufmerksamkeit durch Wut: Die Algorithmen der Netzwerke sind so programmiert, dass Belohnungssysteme anspringen, wenn Inhalte aufregen. Wut bringt Klicks. Lautstärke bringt Kommentare. Besonnenheit und Nuancen gehen im Lärm einfach unter.
3. Die Schwarz-Weiß-Falle: Es gibt nur noch 0 oder 1
Wir haben verlernt, Grautöne zu akzeptieren.
Schaut euch die Mobilität an: Ich liebe das Fahren auf meinem 1600er Triumph-Cruiser – den Sound, das Schütteln des Motors, die Mechanik. Gleichzeitig fahre ich im Alltag begeistert meinen BYD Atto 2 als E-Auto und genieße die Ruhe, die Effizienz und die moderne Technik.
Für mich ist das kein Widerspruch. Es schließt sich schlichtweg nicht aus!
Aber versuch das mal im Netz zu erklären. Für die reine E-Auto-Fraktion bin ich der Umweltsünder auf zwei Rädern, für die Hardcore-Verbrenner-Fraktion der „Verräter“, der Elektro fährt.
Warum muss eigentlich alles immer ein Glaubenskrieg sein? Warum muss man sich immer für ein „Team“ entscheiden und das andere Team bekämpfen?

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4. Wie kommen wir da wieder raus?
Ich bin kein Psychologe und kein Soziologe – ich bin einfach nur Rudi, der seit über 50 Jahren auf dieser Welt unterwegs ist und vieles gesehen hat. Aber ich wünsche mir wieder mehr Gelassenheit und Respekt.
Hier sind ein paar einfache Dinge, die ich mir selbst immer wieder zu Herzen nehme:
- Leben und leben lassen: Solange jemand mit seinen Entscheidungen keinem anderen schadet, soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden.
- Nicht jeden Fehdehandschuh aufheben: Man muss nicht auf jeden provozierenden Kommentar antworten. Manchmal ist Schweigen tatsächlich die eleganteste Form des Protests.
- Der Mensch hinter der Meinung: Hinter jedem Profilbild sitzt ein Mensch mit eigener Geschichte, eigenen Erfahrungen und eigenen Gründen für seine Haltung.
- Mut zur Lücke: Es ist völlig in Ordnung, zu einem Thema mal keine extrem gefestigte Meinung zu haben oder zu sagen: „Ich weiß es auch nicht genau.“
Mein Fazit
Die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Sie ist bunt, manchmal kompliziert, aber genau das macht sie doch spannend.
Lasst uns auf hören, uns gegenseitig das Leben schwerzumachen. Egal ob du Elektro oder Benzin im Blut hast, ob du Fleisch liebst oder Pflanzen bevorzugst, ob du lieber leise rollst oder laut brummst: Am Ende sitzen wir alle im selben Boot.
Auf meinem Blog wird es auch weiterhin ehrlich, authentisch und bunt zugehen. Hier darf diskutiert werden – aber immer mit Respekt und Anstand.
Wie seht ihr das? Habt ihr auch das Gefühl, dass der Ton rauer geworden ist, oder seht ihr das entspannter? Schreibt es mir gerne ganz ehrlich in die Kommentare!
Euer Rudi
© by Rudi Geiss

