Mein ehrliches Fazit nach 11.000 km
Es gibt Motorräder, die gefallen einem. Und es gibt Motorräder, in die man sich jedes Mal aufs Neue verliebt, wenn man die Garage öffnet. Für mich gehört die Triumph Thunderbird 1600 ganz klar zur zweiten Kategorie.

Ich fahre sie inzwischen seit über einem Jahr und habe knapp 11.000 Kilometer mit ihr zurückgelegt. Von kurzen Feierabendrunden bis zu Tagestouren mit über 800 Kilometern war alles dabei. Dabei habe ich ihre Stärken lieben gelernt – aber auch ein paar Schwächen entdeckt, über die man ruhig ehrlich sprechen darf.
Was mir nicht so gut gefällt
1. Der Tacho auf dem Tank
Optisch ist der Tanktacho ein echtes Highlight. In der Praxis finde ich ihn jedoch nicht besonders gelungen. Um die Geschwindigkeit abzulesen, muss ich den Blick deutlich nach unten richten. Gerade auf Straßen, auf denen ständig zwischen 100, 70 und 50 km/h gewechselt wird, ist das auf Dauer ziemlich mühsam.
2. Die verchromte Tachoblende blendet extrem
Bei Sonnenschein wird die Chromblende zur echten Spiegelkugel. Die Reflexionen sind teilweise so stark, dass der Tacho kaum noch ablesbar ist. Ich habe das Problem gelöst, indem ich die Blende matt schwarz lackiert habe – und das war eine der besten kleinen Änderungen an der Maschine.



3. Das Zündschloss sitzt ungünstig
Das Zündschloss befindet sich rechts neben dem Sitz. Klingt harmlos, ist im Alltag aber unpraktisch. Möchte ich das Motorrad mit dem Schlüssel ausschalten, brauche ich die rechte Hand. Dadurch kann ich weder die Vorderradbremse halten noch bequem die Fußbremse nutzen – und mein Oberschenkel ist dabei auch noch im Weg.
4. Das Gewicht
Mit rund 350 Kilogramm ist die Thunderbird definitiv kein Leichtgewicht. Beim Rangieren oder Rückwärtsschieben ist volle Konzentration angesagt. Wer abschüssig parkt, merkt jedes einzelne Kilo.
5. Die Inspektionskosten
Eine große Inspektion für über 800 Euro tut schon weh. Qualität hat ihren Preis, aber günstig ist die Thunderbird im Unterhalt sicherlich nicht.
Was ich an der Thunderbird liebe
Entspannte Sitzposition
Für mich ist das einer der größten Pluspunkte. Selbst 800 Kilometer am Tag sind problemlos machbar, ohne dass ich völlig gerädert absteige. Die Ergonomie passt einfach perfekt zu meinem Fahrstil.
Überraschend gutes Handling
Ja, sie wiegt 350 Kilo. Trotzdem fährt sie sich erstaunlich agil. Tatsächlich bewege ich die Thunderbird in Kurven leichter und präziser als damals meine Suzuki VS 1400. Das hätte ich vor dem Kauf selbst nicht geglaubt.
Reichweite für lange Touren
Der 23-Liter-Tank ist ein Traum für Tourenfahrer. Je nach Fahrweise komme ich locker 350 bis 400 Kilometer weit, bevor ich an eine Tankstelle denken muss.
Dieser Motor!
Der 1600er Zweizylinder ist einfach eine Wucht. Völlig egal, welcher Gang eingelegt ist: Drehst du am Gasgriff, schiebt die Thunderbird mit einem gewaltigen Drehmoment nach vorne. Genau dieses souveräne Gefühl macht für mich den Charakter dieses Motorrads aus.
Meine Umbauten
Natürlich ist die Thunderbird nicht ganz serienmäßig geblieben. Ein paar Änderungen mussten einfach sein:
- Becker-Hebesystem, um das Hinterrad zum Reinigen oder Warten frei drehen zu können.
- Kleiner Gepäckträger – ehrlich gesagt hauptsächlich wegen der Optik.
- Original Triumph Packtaschen mit Packtaschenhaltern, die das Gesamtbild perfekt abrunden.
- Carpuride 7-Zoll Display, damit ich mein Smartphone spiegeln und komfortabel mit Navigation fahren kann.


Mein Fazit
Die Triumph Thunderbird 1600 ist sicher nicht perfekt. Sie ist schwer, hat ein paar eigenwillige Lösungen und die Werkstattkosten sind kein Schnäppchen. Aber all das tritt in den Hintergrund, sobald der Motor läuft und die ersten Kilometer hinter mir liegen.
Für mich bleibt sie genau das, was sie vom ersten Tag an war: ein echtes Traumbike. Ich möchte kein anderes Dickschiff fahren und freue mich jetzt schon auf die nächsten großen Touren.
Wie sind eure Erfahrungen mit der Thunderbird 1600 oder 1700? Schreibt es gerne in die Kommentare!
© by Rudi Geiss

