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Wer heute ein Elektroauto fährt, bekommt in politischen Diskussionen schnell den Eindruck, dass sich die Republik in zwei Lager teilt: Hier die überzeugten E-Auto-Fahrer, dort die erbitterten Gegner der Elektromobilität.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Ich fahre selbst seit einiger Zeit elektrisch und habe mich deshalb einmal genauer gefragt: Wie stehen die Parteien in Deutschland eigentlich zur Elektromobilität? Und was bedeutet ihre Politik für uns E-Auto-Fahrer?

Dabei zeigen sich durchaus deutliche Unterschiede.
Die Grünen: Elektro soll der Weg der Zukunft sein

Bei den Grünen ist die Richtung eindeutig. Die Elektromobilität soll weiter ausgebaut und der Umstieg vom Verbrenner auf emissionsärmere Antriebe beschleunigt werden.
Dazu gehören mehr Ladepunkte, entsprechende politische Rahmenbedingungen und weiterhin ein klarer Fokus auf Elektroautos.
Wer der Meinung ist, dass Deutschland möglichst schnell vom Verbrennungsmotor wegkommen sollte, findet bei den Grünen die wohl deutlichste Unterstützung.
Für E-Auto-Fahrer klingt das zunächst gut. Allerdings hat eine starke Förderung auch eine Kehrseite: Sie kostet Geld und muss letztendlich irgendwo finanziert werden.
SPD: Elektro ja – aber mit Unterstützung

Auch die SPD steht grundsätzlich hinter der Elektromobilität.
Sie setzt ebenfalls auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur und möchte den Kauf beziehungsweise die Nutzung von Elektrofahrzeugen attraktiver machen.
Dabei spielt auch die deutsche Autoindustrie eine wichtige Rolle. Elektroautos sollen nicht nur gekauft, sondern möglichst auch in Deutschland produziert werden.
Für E-Auto-Fahrer bedeutet das: Die SPD sieht das Elektroauto klar als wichtigen Bestandteil der zukünftigen Mobilität.
CDU/CSU: Technologieoffenheit statt Einbahnstraße

Bei der Union sieht die Sache etwas anders aus.
CDU und CSU setzen stärker auf Technologieoffenheit. Das bedeutet: Elektroautos sollen ihren Platz haben, aber der Staat soll nicht ausschließlich einen bestimmten Antrieb bevorzugen.
Neben dem Elektroauto sollen also auch andere Technologien eine Chance behalten.
Das dürfte vor allem diejenigen ansprechen, die sagen:
„Ich habe nichts gegen Elektroautos – aber ich möchte selbst entscheiden, welches Auto für mich geeignet ist.“
Für E-Auto-Fahrer bedeutet das allerdings nicht, dass die Union gegen Elektromobilität wäre. Im Gegenteil: Auch sie unterstützt beispielsweise den Ausbau der Ladeinfrastruktur und bessere Rahmenbedingungen für Elektrofahrzeuge.
FDP: Der Markt soll entscheiden

Die FDP argumentiert ähnlich, geht beim Thema Technologieoffenheit aber noch stärker in Richtung Markt und Wettbewerb.
Elektroautos sollen sich durchsetzen können – aber nicht unbedingt dadurch, dass der Staat andere Antriebe verbietet.
Auch Wasserstoff oder klimaneutrale Kraftstoffe sollen eine Chance bekommen.
Die Idee dahinter:
Nicht die Politik soll entscheiden, welcher Antrieb gewinnt, sondern die bessere Technologie.
Für viele Autofahrer klingt das zunächst vernünftig. Die Frage ist allerdings, ob sich eine neue Technologie ohne politische Unterstützung schnell genug durchsetzen kann.
Die Linke: Elektromobilität möglichst sozial gestalten

Auch die Linke steht grundsätzlich deutlich hinter der Elektromobilität.
Der Unterschied liegt vor allem bei der sozialen Ausgestaltung.
Die Linke möchte verhindern, dass Elektromobilität zu einem Luxus für Menschen mit höherem Einkommen wird. Förderungen sollen deshalb stärker diejenigen erreichen, die sich ein neues Elektroauto ansonsten kaum leisten können.
Das ist durchaus ein interessanter Ansatz.
Denn eines muss man ehrlich sagen:
Ein Elektroauto ist heute zwar in vielen Fällen im Unterhalt günstig – aber die Anschaffung kann immer noch teuer sein.
BSW: Elektro ja, aber nicht ausschließlich

Das BSW nimmt eine Zwischenposition ein.
Elektroautos werden nicht grundsätzlich abgelehnt. Gleichzeitig möchte das BSW aber nicht, dass die Politik ausschließlich auf Elektromobilität setzt.
Auch andere Antriebstechnologien und der Verbrennungsmotor sollen weiterhin eine Rolle spielen.
Damit liegt das BSW näher an der Vorstellung der Technologieoffenheit als beispielsweise die Grünen.
AfD: Keine staatliche Bevorzugung des Elektroautos

Am deutlichsten gegen eine politische Bevorzugung des Elektroautos steht die AfD.
Sie lehnt das geplante Verbrenner-Aus ab und möchte die staatliche Förderung der Elektromobilität deutlich zurückfahren beziehungsweise beenden.
Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sieht sie eine geringere Rolle des Staates.
Die grundsätzliche Botschaft lautet:
Wer ein Elektroauto fahren möchte, soll es tun können. Der Staat soll aber nicht dafür sorgen, dass alle eines fahren müssen.
Für überzeugte E-Auto-Fahrer ist das natürlich eine völlig andere politische Richtung als beispielsweise bei den Grünen.
Und was bedeutet das nun für mich als E-Auto-Fahrer?
Genau hier wird es interessant.
Denn die Frage ist nicht nur:
„Welche Partei ist für Elektroautos?“
Die viel interessantere Frage lautet:
„Welche Politik ist für mich als E-Auto-Fahrer tatsächlich gut?“
Denn ein E-Auto zu besitzen bedeutet schließlich mehr als nur Strom statt Benzin zu tanken.
Es geht um:
- bezahlbare Strompreise
- ausreichend Ladesäulen
- zuverlässige Schnelllader
- vernünftige Ladepreise
- günstige Kfz-Steuern
- bezahlbare Elektroautos
- eine funktionierende Ladeinfrastruktur zu Hause und unterwegs
- und natürlich darum, wie lange Verbrenner und Elektroautos noch parallel politisch behandelt werden.
Und genau bei diesen Punkten unterscheiden sich die Parteien teilweise erheblich.
Mein persönliches Fazit
Ich finde, man sollte bei diesem Thema nicht in die üblichen Schubladen stecken.
Ein Mensch kann für Elektromobilität sein und trotzdem gegen ein Verbrenner-Verbot.
Man kann ein Elektroauto fahren und gleichzeitig der Meinung sein, dass der Staat nicht vorschreiben sollte, welches Auto jemand kaufen muss.
Und man kann den Ausbau der Ladeinfrastruktur unterstützen, ohne jede politische Maßnahme rund um das Elektroauto gutzuheißen.
Für mich ist deshalb die entscheidende Frage nicht:
„Welche Partei ist für oder gegen Elektroautos?“
Sondern:
„Welche Partei schafft die Bedingungen dafür, dass ich selbst entscheiden kann, welches Fahrzeug zu meinem Leben passt – und dass Elektromobilität dabei eine echte und bezahlbare Alternative bleibt?“
Denn eines sollte eigentlich selbstverständlich sein:
Wer elektrisch fahren möchte, sollte es problemlos tun können. Wer einen anderen Antrieb benötigt, sollte aber nicht automatisch zum Feindbild werden. 😱
Vielleicht wäre genau das die vernünftigste Form von Technologieoffenheit:
Nicht gegen den Verbrenner kämpfen und nicht das Elektroauto zum politischen Glaubensbekenntnis machen – sondern dafür sorgen, dass die beste Lösung am Ende auch wirklich die beste Lösung für den jeweiligen Fahrer ist.
Und bis dahin bleibt eine spannende Frage:
Welche Partei macht eigentlich Politik für den Autofahrer – und nicht nur Politik mit dem Auto?
© by Rudi Geiss
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